Lenkung anlernen nach dem Wechsel: Warum das neue Lenkgetriebe kalibriert werden muss 27.08.2026 15:03

Das neue elektrische Lenkgetriebe oder die neue elektrische Lenksäule ist eingebaut – und trotzdem leuchtet die Lenkungs- oder ESP-Warnleuchte, der Spurhalteassistent spinnt oder die Lenkung fühlt sich unsymmetrisch an? In den allermeisten Fällen ist das Bauteil völlig in Ordnung. Es fehlt nur ein entscheidender Schritt: das Anlernen (auch Adaption, Grundeinstellung oder Kalibrierung genannt). In diesem Beitrag erklären wir, was dahintersteckt, welche Bauteile betroffen sind und warum dieser Schritt kein optionaler Zusatz, sondern der eigentliche Abschluss der Reparatur ist.
Was bedeutet „Anlernen" überhaupt?
Moderne Lenkungen sind elektronisch gesteuert. Das Lenkungs-Steuergerät speichert fahrzeugspezifische Referenzwerte – allen voran den Lenkwinkel-Nullpunkt. Dieser legt fest, welche Lenkradstellung exakt der Geradeausfahrt entspricht. Ein neu verbautes elektrisches Lenkgetriebe, eine neue elektrische Lenksäule oder ein getauschtes Steuergerät kennt diese Werte noch nicht. Sie müssen nach dem Einbau neu ins Steuergerät geschrieben werden – genau das ist das Anlernen.
Neben dem Lenkwinkel-Nullpunkt benötigt das System häufig auch den Nullpunkt des Drehmomentsensors im lastfreien Zustand. Stimmen diese Referenzen nicht, unterstützt die Lenkung asymmetrisch, oder es werden fehlerhafte Daten an andere Systeme weitergegeben.
Gemeinhin bezeichnen wir dies auch als Lenkendanschläge anlernen damit das Lenkgetriebe seine Endwerte kennt und es nicht zum gefürchteten Riemensprung kommen kann.
Welche Bauteile sind betroffen?
Ein Anlernen bzw. eine Kalibrierung ist typischerweise nötig nach dem Wechsel von:
» elektrischem Lenkgetriebe (EPS)
» elektrischer Lenksäule
» Lenkungs-Steuergerät
» Lenkwinkelsensor
Bei immer mehr modellen Modellen können sogar eine Spannungsunterbrechung oder ein Batteriewechsel dazu führen, dass die Referenzwerte verloren gehen und neu angelernt werden müssen.
Und die hydraulische Lenkung? Ein rein hydraulisches Lenkgetriebe muss nicht elektronisch angelernt werden. Nach jedem Lenkgetriebe-Wechsel – ob hydraulisch oder elektrisch – gehört jedoch eine Achsvermessung dazu, damit Spur und Sturz stimmen. Sonst drohen schlechter Geradeauslauf und einseitiger Reifenverschleiß.
Wie läuft das Anlernen ab?
Das Anlernen ist eine geführte Routine im Diagnosesystem und folgt einem klaren Muster:
1. Fahrzeug auf ebener Fläche abstellen.
2. Räder exakt geradeaus ausrichten – idealerweise auf der Achsvermessungsanlage.
3. Herstellerdiagnose starten (z. B. XENTRY bei Mercedes, ODIS bei VAG, ISTA bei BMW).
4. Die aktuelle Lenkradstellung als neuen Nullpunkt in das Steuergerät schreiben.
5. Gegebenenfalls eine kurze Lernfahrt durchführen.
6. Fehlerspeicher prüfen, bis keine Einträge mehr anstehen.
Wichtig zu wissen: Universelle Diagnosegeräte reichen dafür oft nicht aus. Die geführten Anlern-Routinen lassen sich in vielen Fällen nur mit herstellerspezifischer Diagnosesoftware starten. Deshalb gehört dieser Schritt in die Hand einer Fachwerkstatt.
Was passiert, wenn das Anlernen unterbleibt?
Wird die Kalibrierung ausgelassen, arbeitet die Lenkung mit falschen Bezugsgrößen. Die Folgen reichen von unangenehm bis sicherheitskritisch:
» falsche oder asymmetrische Lenkunterstützung
» das ESP erhält verfälschte Lenkwinkeldaten
» Assistenzsysteme wie Spurhalteassistent und weitere ADAS-Funktionen arbeiten fehlerhaft
» Warnleuchten und ein Fehlereintrag im Speicher
» das System ist im eigentlichen Sinne nicht betriebsbereit
Kurz: Ohne Anlernen ist die Reparatur nicht abgeschlossen. Das Bauteil kann einwandfrei sein – ohne korrekte Referenzwerte funktioniert die Lenkung trotzdem nicht so, wie sie soll.
Unser Rat
Ein Lenkgetriebe und die Lenkung insgesamt sind sicherheitsrelevante Bauteile. Wir empfehlen daher bewusst, Einbau und Anlernen von einer Fachwerkstatt durchführen zu lassen – sie hat die Diagnosetechnik, das Wissen um die Drehmomente und die Achsvermessungsanlage.
Ihren Beitrag zum guten Ergebnis leisten Sie bereits bei der Wahl des richtigen Ersatzteils: Bei uns erhalten Sie geprüfte, hochwertige Lenkgetriebe, elektrische Lenksäulen und Servopumpen – neu oder fachgerecht generalüberholt, mit 2 Jahren Garantie. So bekommt Ihre Werkstatt ein einwandfreies Bauteil, das sich sauber einbauen und anlernen lässt.
Sie sind unsicher, welches Teil zu Ihrem Fahrzeug passt oder ob sich eine Instandsetzung Ihres eigenen Lenkgetriebes lohnt? Sprechen Sie uns an – wir beraten Sie persönlich und kompetent.

