Was wird zusätzlich zum Lenkgetriebe benötigt ?

Dies ist für das Gelingen des Einbaus entscheidend. Grundsätzlich sind 2 Fragen zu beantworten:

1) Hat mein Fahrzeug mehr als 110.000 km ?

In diesem Fall sollten Sie sich überlegen auch gleichzeitig die Servopumpe (Lenkhilfpumpe) mit zu erneuen.

Studien der Hersteller ZF und TRW haben gezeigt, dass die herkömmliche Lenkhilfpumpe ab einer Kilometerleistung von etwa 110.000 km vermehrt Eisenspäne in das geschlossene Hydrauliksystem absondert.

Diese Eisenspäne kommen durch den Ölfluss im Vorlauf in das Lenkgetriebe und setzen sich dort insbesondere an den inneren Kolbenkammerdichtringen ab. Diese dichten die Kolbenstange hydraulisch nach aussen hin ab. Bei jeder Lenkbewegung schieben sich nun die EIsenspäne am Dichtring über die Oberfläche der Kolbenstange, was sogenannte Riefen in der Oberfläche verursacht. 

Riefen Kolbenstange

Durch diese Riefen kann sich eine Kleinmenge Öl drücken, welches sich meist in den Manschetten sammelt und irgendwann dann über diese ausläuft.

Das Öl sucht sich grundsätzlich jedoch den Weg des geringsten Wiederstands, somit kann es auch aus dem Gleitsteindeckel oder der Lenkspindel auslaufen. Dies passiert meist, wenn die Späne sich direkt im Steuerventil in der Lenkspindel festsetzen und erst gar nicht bis in den Kolbenkammerbereich gelangen.

Um also einen Ölverlust nach dem Wechsel des Lenkgetriebes zu vermeiden, ist es wichtig, die Lenkhilfpumpe ab einer Kilometerleistung von etwa 110.000 km vor dem Einbau des Lenkgetriebes zu erneuern.

Gleichzeitig ist jedoch auch das gründliche Spülen des kompletten Leitungssystems sehr wichtig. Hierzu unten mehr.

2) Sind die Spurstangenköpfe (Spurstangenedstücke) neuwertig ? 

Sind Ihre Spurstangenköpfe nicht älter als 3 Monate, so können Sie diese problemlos verbaut lassen und müssen diese nicht erneuern. 

Sollten diese älter sein, empfehlen wir dringend diese direkt mit zu wechseln.

Dies hat 2 praktische Gründe:

  • Lenkungsteile schlagen gerne aus, diese bekommen also ein Spiel welches der TÜV bemängelt und sich beim Fahren unschön bemerkbar macht. Wenn Ihre Werkstatt Arbeiten am Lenkgetriebe verrichtet und danach ohnehin eine Achsvermessung gemacht werden muss, macht es Sinn, die Endstücke direkt mit zu wechseln. Somit sparen Sie sich eine spätere erneute Achsvermessung und erneute Einbaukosten.

              Wir bieten Ihnen hierfür komplette Lenkgetriebe mit neuen Spurstangenköpfen aus unserer EXCLUSIVE Line an.                   Sie finden in unserem Shop jedoch auch einzelne Spurstangenköpfe für jedes Lenkgetriebe.

  • Ausgeschlagene oder nicht mehr ganz straffe Spurstangenköpfe können das Lenkverhalten des neuen Lenkgetriebes negativ beeinflussen. Die Endstücke überragen die Lenkbewegung mittels weitere Lenkungsteile auf die Räder. Ist dort ein leichtes Lenkspiel, kann das Lenkgetriebe seine Kraft nicht ungehindert an die Räder übertragen und es kommt zu ungleichen Lenkbewegungen oder Spiel in der Lenkung.

Nun haben Sie Ihr neues Lenkgetriebe, die neuen Spurstangenköpfe und ggf eine neue Servopumpe erworben und wollen diese durch eine Fachwerkstatt montieren lassen.

Wir empfehlen grundsätzlich, noch 3 Liter unseres Hydrauliköls zu kaufen. Dieses hat immer eine Freigabe für Ihren jeweiligen Fahrzeugtyp und stammt vom Hersteller MEGUIN der auch die Öle für LIQUI MOLY produziert.

Alle weiteren Arbeitsmaterialien sollten in Ihrer Fachwerkstatt vorhanden sein. Es sollte auch darauf geachtet werden, dass die Dichtungen für den Anschluss des Vor- und Rücklaufs erneuert werden müssen. Diese sind im Normalfall direkt beim Vertragshändler zu beziehen und sollten immer original sein.

Das Hydrauliksystem spülen und entlüften

Es ist sehr wichtig, insbesondere wenn das Altteil vormals undicht war, das System vor dem Einbau der neuen Lenkung gründlich zu reinigen.

Sollte Ihr Ölstand auch nur einmalig unter „Minimum“ gefallen sein oder die Pumpe mehr als 110.000 km aufweisen, muss die Servopumpe gewechselt werden. Auch wenn diese keine Geräusche macht und funktioniert, ist es unabdingbar diese zu wechseln da in dem Moment, in dem die Pumpe einmal kurz Luft gezogen hat, die Pumpe Metallspäne absondern kann die Sie auch durch mehrmaliges Spülen nicht mehr aus dem System bekommen. Diese Späne werden mit großer Wahrscheinlichkeit auch bei unserer neuen Lenkung eine weitere Undichtigkeit hervorrufen.

1. Wenn Sie die alte Lenkung entfernt haben muss das komplette System entleert werden ( auch Servopumpe ). Der Ausgleichebehälter der vor der Pumpe sitzt ist gründlich auszuwaschen (dazu diesen ggf. ausbauen). Nach erfolgter Reinigung des Behälters füllen Sie den Ausgleichsbehälter bis oben mit neuem frischem Hydrauliköl auf. Der Vorgang des Spülens sollte zu zweit erledigt werden, wobei einer die Pumpe startet während der andere sicherstellt, dass der Ölstand im Ausgleichsbehälter nicht unter „COLD MINIMUM“ sinken kann. Es muss also immer Öl nachgekippt werden solange die Pumpe arbeitet.

Das Öl welches unten dann rausläuft, können Sie in einer Ölwanne auffangen. Nur für die Reinigung sollten Sie in             etwa 2 Liter Servoöl verwenden.

Für die spätere Füllung des Systems müssen dann noch in etwa 1 – 1 ½ Liter Servoöl kalkuliert werden.

2. Nachdem das System ( auch die Vor – und Rücklaufleitung ) gespült wurde, kann die neue Lenkung eingebaut werden. Achten Sie unbedingt darauf, dass keine Spannungen entstehen wenn Sie die Lenkung am Kreuzgelenk, an den Köpfen und an den Haltern befestigen. Dies kann sonst später zu unrunden Lenkbewegungen oder zu einer schlagenden Lenkung führen.

3. Befüllen Sie dann den Ausgleichsbehälter bis „COLD MAXIMUM“ und entlüften Sie das System gemäß der Herstelleranweisung Ihres Fahrzeugherstellers. Sie müssen bei Ihrem Vertragshändler oder bei Ihrer Werkstatt erfragen ob der Motor während des ersten Entlüftens laufen soll oder nicht. Dies ist sehr wichtig für das Gelingen des Entlüftens.

 4. Dann heben Sie das Auto auf die Hebebühne und drehen – bei entlasteter Vorderachse – das Lenkrad langsam und vorsichtig von Rechtsanschlag auf Linksanschlag. Dies führen Sie insgesamt 20 Mal durch. Während des Durchdrehens des Lenkrads muss wiederrum Öl nachgekippt werden, da sonst Luftpolster im System entstehen würden.

5. Wenn dies abgeschlossen ist und das Öl nach 20 maligem Durchdrehen ruhig ist, kann derselbe Vorgang bei belasteter Vorderachse und mit eingeschaltetem Motor durchgeführt werden, vorausgesetzt der Motor war nicht schon von Anfang an eingeschaltet.

 Im Anschluss an diese Arbeiten ist noch eine Achsvermessung durchzuführen.

Wird all dies beachtet, steht einem gelungenen Einbau und einer voll funktionsfähigen Lenkung nichts mehr entgegen!